Im Zuge der Nachhaltigkeitsdebatte ist auch Urlaub in Deutschland wieder deutlich populärer geworden und erstaunt entdecken viele Urlauber die vielfältigen Landschaften und schönen Naturräume zwischen der Küste im Norden und den Alpen im Süden. Nachhaltiges Verreisen ist vor dem Hintergrund des Klimawandels in aller Munde. Unsere Bauherren, die ausschließlich Urlaub in Deutschland machen, kamen auf uns zu und wollten genau das: ein nachhaltiges Ferienwohnhaus mit qualitätsvoller Architektur und dieses mit vielen teilen.

Das kompakte 110 qm große Holzhaus überrascht mit einem großzügigen, zweigeschossige Wohn- und Lebensraum mit vielfältigen Raumsituationen, die durch Raumstufen abgetreppt, der Topografie des Grundstücks folgen: Eingang mit Garderobe, einige Stufen tiefer folgen die Küche und der Essbereich mit dem großen Balkon unter dem Ahorn und schließlich gelangt man über weitere Stufen in das Wohn- und Kaminzimmer. Bei der Wanderung durch das Haus begleiten den Wanderer zahlreiche, weite Ausblicke in das Tal und die Umgebung und das Gefühl sich gleichzeitig drinnen und draußen zu befinden.

Die dünne Dachschale mit den großen Dachüberständen legt sich schützend über die beiden um 45° zum Hang gedrehten Baukörper. Die daraus resultierende Grundrissorganisation mutet abstrakt an, hat jedoch zum Ziel vielfältige Bezüge zum Ort zu ermöglichen, ohne der umgebenden Bebauung zu nahe zu kommen und dabei die Sonne im Süden optimal einzufangen.

Eine zentrale, offene Treppe führt über eine Galerie in das Obergeschoss, dessen kleine, intime und sehr unterschiedlichen Individualräume, einen Kontrast zum großzügigen Wohnraum unter dem schützenden Dach bilden. Maximal große Öffnungen holen immer wieder die Landschaft ins Haus. Die unterschiedlichen Schlafsituationen sollen Freude machen und das Urlaubsgefühl unterstützen: ein Stockbett, ähnlich wie in Berghütten, ein kuscheliges Schlafzimmer, das an einen Alkoven erinnert, die Schlafempore unter dem Dach und ein Schlafzimmer mit Blick in die Sterne. Insgesamt bietet die Bleibe acht abwechslungsreiche Schlafplätze für Familien, Freunde und Paare.

Ferienhaus, Wohnhaus, Schwarzwald, Ferien

Dauerhaft bezahlbaren Wohnraum für Jung und Alt schaffen, das war die Vision einer engagierten Gruppe von Menschen, die drei Häuser mit Hof und Garten für ein lebendiges Wohnprojekt umbauen wollten. Wohnraum für bis zu 15 Erwachsene plus Kinder sollte in Stuttgart nach dem Modell des Mietshäuser Syndikats in dem Wohnprojekt „Der Kesselhof“, der früher als Dampfwaschanstalt mit Kessel- und Bügelraum genutzt wurde, entstehen. Durch Gemeineigentum wird Wohnraum geschaffen, der auch noch für die kommenden Generationen gesichert bezahlbar sein wird.

Die Herausforderung bestand für uns darin, den Charakter des Gebäudeensembles zu erhalten und eine Grundrisskonzeption zu entwickeln, die das gemeinschaftliche Leben unterstützt. Die Lage der gemeinschaftlich genutzten Küchen und Essbereiche war dabei entscheidend, für das Funktionieren der Gemeinschaft und die sinnvolle Anbindung der Außenbereiche.

Die drei Häuser wurden als Cluster-Wohnen entwickelt. Keine klassischen Wohneinheiten mit Küche, Bad und Wohnzimmer, sondern private Rückzugsräume, geteilte Küchen, Bäder und großzügige Gemeinschaftsräume. Der Kesselhof bietet sogar einen Mehrzweckraum, der auch von anderen Initiativen aus dem Stadtteil für Veranstaltungen genutzt werden kann.

Besonders am Herzen lag uns, mit der Bestandssubstanz zu arbeiten und private Rückzugsräume zu entwickeln, die trotz des schwierigen Altbaus Charme und individuellen Charakter haben. Mit Hilfe der Bewohner, die in viel Eigenleistung die Gebäude ressourcenschonend renoviert haben, sind vielfältige Räume im und um das Haus herum entstanden.

Das Projekt wurde wegen seines Vorbildcharakters für zukunftsfähige Wohnkonzepte in die Liste der IBA‘27 Projekte aufgenommen. Das freut uns!

Mietshäuser Syndikat, Umbau, Renovierung, Gemeinschaftliches Wohnen

Unsere Bauherren haben ein wunderschönes Grundstück an einem Anglerteich auf dem Gelände eines ehemaligen Gutshofs in Schleswig-Holstein erworben und wünschten sich ein Domizil, um in den Ferien und an Wochenenden dort Natur und Stadtferne mit Freunden genießen zu können. Das gewünschte Raumprogramm ist denkbar einfach: zwei Schlafzimmer mit Bad für das Paar und Gäste, ein Esszimmer mit kleiner Küche, ein Wohnzimmer mit Kamin.

Der autonome Baukörper steht in der Tradition des modernen Pavillons und entwickelt sich im offenen Landschaftsraum des Gutshofgeländes aus einer Matrix miteinander verbundener Flächen. Fünf z-förmige aneinandergereihte, quadratische Räume sind durch ein flaches Satteldach mit diagonal verlaufendem Dachfirst verbunden. Die Gebäudeform vermittelt zwischen der Straßen- und der Seeseite und formt zwei bergende Innenwinkel: Auf der Nordostseite wird ein Vorplatz mit Eingang gefasst und im Südwesten ein geschützter Terrassenbereich, der von imposanten Buchen und Eichen gerahmt wird. Die Höhenentwicklung des Terrains wird im Inneren durch die Niveauunterschiede der Räume fortgeführt und sie strukturieren subtil das offene Raumgefüge.

Das eingeschossige Gebäude greift mit der formalen Lesbarkeit des Grundrisses strukturalistische und in seiner Materialität Ideen brutalistischer Architektur auf. Inspiriert von Skulpturen des spanischen Künstlers Chillida ist die prägnante Skelettstruktur an den Gebäudeecken fortgeführt und bildet Kamine und Wasserspeier als markante skulpturale Elemente aus. Sie lösen die klare Struktur auf und verzahnen das aufgeständerte Gebäude mit dem Umraum.

Die Fassade spielt durch minimale Vor- und Rücksprünge mit der Idee des Betonskeletts.
Eine farbige PU-Abdichtung schützt – wie eine Anglerhose - den Sockelbereich und neuralgische Stellen des Gebäudes vor Feuchtigkeit und akzentuiert den Baukörper.
Der Wandaufbau ist gewendet. Außen zeigt sich die raue, robuste Betonschale, die im Inneren von einer hellbeigen Ziegelbekleidung auf Böden und Brüstungswänden kontrastiert wird.
Die Wahl des Ziegels nimmt Bezug auf regionale Ziegelbauten, der umliegenden Gutshäuser und profane landwirtschaftliche Nutzgebäude und schafft, nach innen gewendet, eine heitere Atmosphäre.

Das diagonal gefaltete und teilweise weit heruntergezogene Dach schafft Geborgenheit in den Räumen, die sich durch großflächige Verglasungen weit öffnen und die umgebende Landschaft einfangen. Der z-förmige Grundriss verwebt Außen- und Innenräume durch diagonale Durchblicke miteinander und bezieht die Bäume, den See, die Landschaft in das Wohnen ein.

Auf dem Grundstück einer ehemaligen Gärtnerei entsteht ein Wohnhaus mit Pool und Scheune für eine Familie.
Das Langhaus kann in autarke Nutzungsabschnitte unterteilt werden.
Arbeiten / Wohnen / Gäste / Kinderhaus / Werkstatt.

Fertigstellung 07/2021

Entwicklung eines Garagenhofes in der Innenstadt von Karlsruhe. Die sich über drei Geschosse entwickelnden Wohneinheiten werden durch einen vorgestellten Treppenlauf erschlossen.

In der Planungsphase

Neubau eines Kaufhauses & Hotels mit Gastronomie am denkmalgeschützten Bergedorfer Serrahnhafen.
Die aus einem Fassadenwettbewerb hervorgegangenen Strassenfassaden formulieren mit ihrer Klinker-Ornamentierung und der vertikalen Pfeilerstruktur zum Hafenbecken eine Reminiszenz an den ehemaligen Industriebau der Stamp Pumpenwerke an diesem Standort. Das grau-rot-orange geklinkerte Obergeschoss suggeriert im städtebaulichen Kontext ein zurückgesetztes Staffelgeschoss, ist aber als Vollgeschoss ausgebildet. 
In Unter- und Erdgeschoss ist die Handelsnutzung untergebracht, die Gastronomie orientiert sich zur Promenade am Hafenbecken.
Das Hotel erstreckt sich über die drei Obergeschosse. Die Zimmer sind extrem kompakt entwickelt und sowohl zur Straße als auch zum dreigeschossigen Innenhof orientiert. Die Flächenreduktion der Zimmer wird durch überdimensional große Wendefenster kompensiert.

Fertigstellung 06.2021

Die räumliche Neustrukturierung einer großzügigen Wohnung in Köln versucht den räumlichen Zusammenhang der Wohnung wieder herzustellen. Die Küche wird zentral im repräsentativen Bereich positioniert. Die Räumlichen Verknüpfungsoptionen und Sichtbezüge werden durch zusätzliche Zugänge und Öffnungen erhöht.

Im Bereich des Hinterhauses, der lang gezogenen Struktur entlang einer Brandwand, wird ein zweiter Salon der Kinder als Pendant zum großzügigen Entree im vorderen Teil der Wohnung angeordnet.

Ein neuer Sanitärblock mit Bad - und Duschkabine bildet die neue Salonwand. Der Blick zurück in den Salon ist, unbeobachtet, aus einer Kammer über dem Bad durch eine Spionverglaste Öffnung möglich.

Wohnen, Umbau

Ein unscheinbares, jedoch rustikal aufwändig dekoriertes Reihenhaus in Aachen, wurde von einer jungen Familie gekauft. Das Haus ist in einem gepflegten Zustand. Eigentlich alles vorhanden. Allerdings passen weder die Raumaufteilung noch die Materialität und Atmosphäre des Bestands zu den neuen Bewohnern. Ein frischer Wind ist gefragt.

Die Wohnebene wird zur Küche und zum Garten geöffnet. Im raumgliedernden Kaminblock entstehen beidseitig Zugänge zur Feuerstelle, einer im ehemaligen Flur der nun bewohnt wird, der andere in die Wohnhalle.

Das Terrassengeländer wird entfernt und der Garten über einen neuen aufgeschütteten Hügel nach oben hin zur Wohnhalle ans Erdgeschoss des Hauses angeschlossen.

Ein Reihenhaus aus den 60er Jahren erhält eine Verjüngungskur um den Wohnvorstellungen einer jungen Familie passenden Raum zu bieten.

Trennwände werden im Erdgeschoß entfernt, es entsteht eine großzügiger neuer Wohnküchenraum. Durch ein neu gesägtes Loch in der obersten Geschoßdecke wird der bestehende Dachraum dem Wohnbereich des Hauses hinzugefügt. Die eingesetzte Treppe taucht im großzügigen Dachraum der Eltern auf. Ein heller, zeltartiger Raum der durch Einbauten gegliedert wird. Die Eltern bekommen dort einen eigenen Arbeits- und Schlafbereich - der Ausbau versucht hierbei die einfachen vorhandenen, mit ruppigen Charme daherkommenden Wellstegträger zu erhalten. Sie bleiben sichtbar und werden lediglich einen homogenisierenden, aufhellenden Anstrich homogenisiert. Auch der vorhandene Estrichboden wird lediglich farbig gestrichen.

Die Methode der Verwendung des Vorgefundenen und seiner eingeschriebenen Bedingtheiten gibt dem neuen Raum einen Hauch von Werkstattcharakter und Ferienhaus. Um das vorhandene Volumen räumlich voll auszunutzen wird der neue Dachaufbau mit Öffnungselementen auf die bestehende Konstruktion aufgesetzt. Die neue eingefügte Innenstruktur aus einfachen Schichtholzplatten gliedert, beherbergt und erschließt den neu ausgebauten Raum auf eine einfache zurückhaltende Art. Möbel, Stauräume und Treppe werden aus der selben Ausbauplatte gefertigt - um die räumliche Vielfalt zu homogenisieren. Ein den Raum quer teilender Vorhang kann Bereiche flexibel zuordnen und abtrennen. Durch sein schweres Material dämpft er den Raum auch akustisch.

In einem bestehenden Quartier kann eine Reihenhauszeile auf einem kleinen Endgrundstück ergänzt werden. Um dem Wohnen eine maximale Großzügigkeit zu geben, wird das Erdgeschoss als räumliches Kontinuum geplant, das Innen- und Außenraum mit einbezieht. Das Haus schmiegt sich in das aufsteigende Gelände und verknüpft sich über eine betonierte, durchlaufende Arbeitsplatte in den Garten.
Die darin integrierte Außenküche kann an sonnigen Tagen genutzt werden und vermittelt ein Gefühl von Freiheit und Offenheit für die campingbegeisterte Familie.

Im Innenraum gehen die Bereiche für Wohnen, Essen und Kochen ineinander über. Der Kochbereich erhält einen Ankerpunkt über die eingestellte Kochinsel über der sich ein, in die Decke betoniertes, Hängeregal absenkt. Der Wohnraum überrascht durch seinen Rohbau-Charakter und hallenartigen Raumeindruck mit einer, zum Garten hin bis auf 3,40 m, ansteigenden Decke. Eine Garage ergänzt das Spiel zwischen Innen und Außen. Das Bimsmauerwerk innen, taucht auf der Außenseite der Garage wieder auf. So spannen Garage und Wohnhaus zwischen sich einen Innenhof auf, der dem Wohnen zugehörig zu sein scheint.
Die "Wohnhalle" wird durch ein leicht erhobenes Podest flankiert, auf dem sich das Arbeits- und Gästezimmer mit angrenzendem Bad befinden. Vom Podest aus startet auch der Wegraum in die oberen Ebenen. Dieser prägt als durchgehendes Betonelement die angrenzenden Räume. Im OG geht der Weg von einer einläufigen Treppe über in eine Wendeltreppe, die sich in den Kinderzimmern als rundes Wandsegment abdrückt und im Dachraum endet.

Ein Paar mit zwei Kindern konnte nach längerer Suche ein Reihenendhaus aus den 30er bzw. dem Wiederaufbau aus den 50er Jahren in einer Stuttgarter Arbeitersiedlung erwerben. Das Haus, in typischer Stuttgarter Hanglage, entwickelt sich auf einem kleinen, annähernd quadratischen Grundriss von 6,85 m x 7,30 m über vier Geschosse turmartig in die Höhe. Über einen kleinen Vorgarten, nördlich des Hauses, betritt man das Erdgeschoss, das nicht genug Raum bot für die Küche, den Essbereich und das Wohnzimmer der Familie. Zudem war es nicht direkt an den Garten im Süden angebunden, der durch die Hanglage ein Geschoss tiefer liegt.

Der kleine intime Garten war vom Erdgeschoss aus lediglich über eine schmale, steile Kellertreppe und die niedrige und nur 2,30 m hohe Waschküche im Untergeschoss zu erreichen. Wir schlugen vor, das Gartengeschoss als Wohnraum zu aktivieren. Dazu wurde die bestehende Schlacke-Betondecke aus den 50er Jahren zum Teil abgebrochen und durch einen neuen Stahlbeton-Ringgurt mit einer aufliegenden Deckenplatte ersetzt. Die Plattform für das neue, galerieartige Wohnzimmer – mit Lufträumen zu beiden Seiten – liegt eine Stufe erhöht, um sich vom Eingangsbereich und der benachbarten Arbeitsnische zu differenzieren. Gleichzeitig räumt die intimere Höhe des Wohnzimmers der darunter liegenden, neuen Küche mehr Kopffreiheit ein. Verknüpft werden die beiden Geschosse durch Lufträume und eine eingestellte Treppe aus Weißtanne. Sie führt in das Gartengeschoss mit Küche und doppelt hohem Essbereich, in dem viele Gäste auf einer raumbreiten Bank Platz finden. Große Verglasungen öffnen den Raum zur Terrasse und zum Garten.

Durch die Interventionen ist eine abwechslungsreiche Wohnhalle entstanden, die in der kleinen Struktur vielfältige Sichtbeziehungen und ein Gefühl von Großzügigkeit herstellt und dennoch intime Plätze bietet. Der bauliche Eingriff aus Stahlbeton wurde in seiner Rohheit sichtbar belassen und ist klar ablesbar. Lediglich die Oberseite der Wohnzimmer-Plattform wurde abgeschliffen, um dem Beton eine edle, terrazzoähnliche Anmutung zu entlocken. Insgesamt wurde das Haus behutsam renoviert, die bestehenden Holzböden und die geschwungene Holztreppe bewahrt und ertüchtigt, der Grundriss modernisiert und neuinterpretiert. Im Obergeschoss wurde die vorgefundene Raumstruktur zu einer offenen Kinder- und Gästeetage weiterentwickelt. Schiebetüren verbinden die drei Räume und ermöglichen sowohl ein gemeinschaftliches als auch ein intimes Wohnen. Im Dachgeschoss darüber entfalten sich die Privaträume der Bauherren mit Schlaf- und Ankleidezimmer und neuem Bad.

Das Haus vermittelt zwischen dem tieferliegenden Straßenniveau und dem rückwärtigen Grundstück. Ein problematischer Baugrund und der Wunsch der Bauherren nach einem hochgedämmten Holzhaus generierten das Konzept der freiliegenden Fundamentierung. Die Baugrube wurde nicht wieder verfüllt, um Mehrwerte zu schaffen und den rückwärtig gelegenen Garten direkt anzubinden. Die wettergeschützte Fläche unter dem Haus, kann für verschiedene Aktivitäten genutzt werden, als Carport, Werkstatt oder Lager für Gartengeräte.

Der einfache Grundriss des Wohnhauses ergibt sich aus der klaren Südorientierung des Wohnens zur freien Landschaft. Die privaten Schlaf- und Nebenräume liegen im Nördlichen, eher abgeschirmten Teil des Hauses.

Der ungenutzte Speicher im Dach wurde durch gute Gestaltung zum Schmuckstück und ungewöhnlichen Wohnraumerweiterung. Hier kann man die Seele baumeln lassen und findet auf 50 Quadratmetern Raum für vielerlei Aktivitäten.

Die Renovierung und neue Farbgestaltung betont den Charakter des Raums und verleiht den handbehauenen Holzbalken neuen Glanz. Die schwarze Farblasur wird mit den weiß gelaugten Holzlaibungen der Dachflächenfenster kontrastiert. Schwarze Einbauregale schaffen Stauraum für Bücher und andere Dinge.

Die 74 qm große Erdgeschosswohnung unserer Bauherren war für die vierköpfige Familie zu klein geworden und das Familienleben benötigte mehr Platz. Auf der Gartenseite im Westen bietet das Mehrfamilienhaus aus den 1930er Jahren die Möglichkeit für einen Anbau, den sich die Bauherren zunächst als eingeschossigen, 50 qm großen Flachdachbau vorstellten.

Im Entwurfsprozess interessierten wir uns für grundsätzliche Fragen zur Beziehung zwischen der bestehenden und der neuen baulichen Struktur und ihren möglichen Interpretationen. Durch das subtile Spiel mit den Proportionen der Öffnungen oszilliert die Erscheinung des Anbaus zwischen Abhängigkeit und Souveränität.

Die bauliche Intervention strukturiert den Grundriss im Bestandshaus neu, löst das Belichtungsproblem und schafft im Garten unterschiedliche Bereiche, die neue Nutzungsmöglichkeiten eröffnen.

Den einfach gehaltenen, aufgeständerten Holzrahmenbau setzten die Bauherren auf einer Grundfläche von 25 qm in Eigenleistung um. Der zweigeschossige Anbau fügt sich nun - in einem vormals fensterlosen Bereich der Westfassade - an das dreistöckige Bestandsgebäude. In Dimension und Breite deutlich untergeordnet, passt sich die äußere Erscheinung des Neubaus in Farbe und Materialität dem Altbau an und verbindet sich über die Dachfläche fließend mit ihm. An der Schnittstelle zwischen Alt und Neu wurde im Erdgeschoss die Westwand der bestehenden Küche aufgebrochen und mit einem Ess- und Wohnbereich erweitert. Die großflächige Verglasung im Anschlussbereich löst die Innenecke optisch auf und der Raum fließt über die angrenzende Terrasse in den Garten. Innen- und Außenraum, Neu- und Altbau bilden eine räumliche Einheit und die Bewohner haben in den neu geschaffenen Räumen das Gefühl, im Garten zu wohnen. Vom Hauptlebensraum im Erdgeschoss führt eine Treppe in das Dachgeschoss des kleinen Anbaus und teilt es in einen Schlaf- und Badbereich.

Die Eigenständigkeit, die schon durch die Gesamtform suggeriert wird, ist auch funktional und räumlich realisierbar. Der Versatz zwischen dem ursprünglichen Haus und dem Neubau ermöglicht den nachträglichen Einbau einer Haustüre. Der Anbau wird dadurch zu einem unabhängig zugänglichen kleinen Haus. Der Entwurf nimmt hier Bezug zu so genannten „Austragshäusern“, die typischerweise im ländlichen Raum vorkommen: Wenn der Jungbauer den Hof übernimmt, bekommt der Altbauer das kleine Duplikat des eigentlichen Hofgebäudes als Alterssitz. Inspiriert davon kann man den Anbau des Hauses Auwaerter später abtrennen und es als Einliegerhaus vermieten oder den Kindern überlassen.

Der Raum in dem Reihenhaus aus den 30er Jahren entsprach nicht mehr den Wohn- und Lebensvorstellungen einer 5-köpfigen Familie. Der Raumknappheit wurde durch eine umfassende Optimierung der Raumausnutzung begegnet.

Die Erweiterung des Erdgeschosses um eine Sitzgruppe in den Garten und der Ausbau des Dachstuhles sind die Haupteingriffe. In das Bestandvolumen wurde ein in seinem Optimierungsbemühen sich in die Außenwand stülpendes Bad und ein Garderobenkühlschrank hinzugefügt. Mit wenigen, präzise gesetzten, strukturellen Eingriffen wird die Raumaufteilung eines kleinen Siedlungshauses an die geänderten Wohnbedürfnisse der heutigen Zeit angepasst.

Sanierung Umbau Anbau

Für den Ausbau einer Büroetage zu einer Arztpraxis wünschte der Bauherr einen besonders flexibel nutzbaren Grundriss der 206 qm großen Fläche. Es sollte möglich sein, die gesamte Etage entweder als Einzelpraxis zu nutzen oder die Räume variabel aufzuteilen, und bis zu zwei separat erschlossene Einheiten zu vermieten. Schiebe- und Klappwände, ermöglichen eine variable Schaltbarkeit der Räume, die nun zu größeren oder kleineren Nutzungseinheiten zusammengefasst werden können.

Für die Untersuchungen benötigt der Hals- Nasen- und Ohrenarzt nur wenig Tageslicht. Die Behandlungs- und Serviceräume der Praxis konnten deshalb im Kernbereich der 21 x 8 m großen Grundfläche konzentriert werden. Der eingestellte Körper bespielt den Raum wie ein großes Möbel und integriert die notwendigen Funktionen: Empfangstheke, Schiebe- und Klapptüren für die Schaltbarkeit der Raumeinheiten, in die Wand eingelassene Vitrinen und Sitznischen, die den Patienten als attraktive Wartebereiche dienen. Die Aufenthalts- und Wartebereiche ordnen sich ringförmig um den Kernbereich. Diese Organisation gewährleistet einen reibungslosen Bewegungsablauf. Der Arzt bewegt sich hauptsächlich im Kernbereich zwischen Anmeldung und Behandlungsräumen, die Patientenwege und Wartebereiche umfliessen die im Zentrum liegenden Räume.

In der gesamten Praxis wurde zugunsten der maximal möglichen Raumhöhe von nur 2,70 m auf eine Abhangdecke verzichtet, um ein großzügigeres Raumgefühl zu erzeugen. Der raue, spröde Charme des Rohbaus bleibt dadurch erhalten und die roh belassene Betondecke erhöht den Kontrast zu den eingestellten, fein detaillierten Räumen im Kern, dessen ästhetische Erscheinung ausgewählte Materialien prägen. Durch eine rahmenlose Oberlichtverglasung dringt Tageslicht in die Behandlungsräume, deren intime und behagliche Atmosphäre durch die weiche Anmutung des Akustik-Deckenspritzputz unterstützt wird.

Mit besonderer Sorgfalt wurde auch das Farbkonzept der Praxis entwickelt. Zur besseren Orientierung sind die Böden und Türen der verschiedenen Behandlungs- und Serviceräume entsprechend ihrer jeweiligen Nutzung farblich codiert. Typische Farbtöne von Arzneimittelverpackungen waren hierfür die Inspirationsgrundlage. Insgesamt ist eine unkonventionelle Praxislandschaft entstanden, deren intelligente Aufteilung und mitunter auch herbe Materialität sich erfrischend von einer sterilen Hochglanzästhetik absetzt.

Das Haus für eine Bonner Familie in der Voreifel versucht die die Hausform und das Raumangebot des Bäuerlichen Arbeitens und Wohnens in die Typologie des Einfamilienhauses zu implementieren.

Die Satteldachform, welche die Idee des archetypischen Daches aufnimmt und die Funktionen Haupthaus, Hof und Nebengebäude zu einem monolithischen Ganzen zusammenfasst prägt das Erscheinungsbild des Hauses.

Wohnraum ist knapp und begehrt in München, ein unbebautes Baugrundstück für ein Haus mit Garten schwer zu bekommen. Die Teilung des Grundstücks der Eltern verhalf einem jungen Designer und seine Frau in einer Münchner Siedlung zu einer langen, schmalen Parzelle, auf der die beiden wohnen und arbeiten wollen.

Der Entwurf lotet aus, welche Anforderungen das Gebäude erfüllen muss, um mit minimalem baulichen Aufwand, flexibel auf verändernde Situationen des Arbeits- und Familienlebens reagieren zu können. Durch die Elastizität des Grundriss kann die Proportion zwischen Wohn- und Büronutzung jeweils neu justiert werden und das Büro, respektive die Wohnung, nach Bedarf schrumpfen oder wachsen.

Der Zuschnitt des Grundstücks, die vorgeschriebenen Abstandsflächen und das Baufenster führt zu einem schmalen, zweigeschossigen Baukörper mit Nord-Süd-Orientierung. Der Gebäudeentwurf spielt mit dem Thema des An- und Weiterbauens und seine Gestalt steht in Beziehungen zu den umliegenden Wohnhäusern, die seit den 60er und 70er Jahren oft mehrfach durch Anbauten erweitert und angepasst wurden.

Drei aufgeständerte Hauskörper mit unterschiedlichen Dachformen fügen sich zu einem Obergeschoss, das Rückzugsräume und das Designbüro beherbergt. Ein mäandernder Wegraum mit temporären Aufenthaltsmöglichkeiten erschließt die wechselseitig angeordneten Zimmer. Darunter vermittelt die reliefierte Bodenplatte des Erdgeschosses zwischen Garten und Wohnraum. Sie formt verschiedene Niveaus aus, auf denen sich das Leben – lediglich umkleidet von einer leichten Hülle aus Glas und Polycarbonat – entwickeln kann. Der Wohnbereich wird durch einen freigestellten Kern, bestehend aus Kamin, Schrank und Spindeltreppe, strukturiert und kann im Sommer mittels großen, verglasten Schiebetüren auf die angrenzende Terrasse und den Garten ausgedehnt werden.

Mehrwerte zu generieren und Synergieeffekte zu nutzen war ein Thema des Entwurfs. So wird die vom Bauherren gewünschte integrierte Doppelgarage mit Zugang zur Waschküche und Bad etwa zu einer Werkstatt und die doppelte Erschließung des Obergeschosses ermöglicht in dem 160 Quadratmeter großen Haus einen vertikalen Rundlauf, der den Grundriss hinsichtlich Flexibilität und Teilbarkeit optimiert und Spielräume für andere Nutzungsmöglichkeiten öffnet.

Unsere Bauherrin, eine Imkerin, wünschte sich für sich, ihre Familie und ihre Bienen einen intimen Lebens- und Arbeitsort in einer Aachener Schrebergartenkolonie. Alle dort geplanten Gartenlauben müssen den folgenden Paragraphen des Kleingartengesetzes einhalten.

§3 Kleingarten und Gartenlaube:
»(2) Im Kleingarten ist eine Laube in einfacher Ausführung mit höchstens 24 qm Grundfläche einschließlich überdachtem Freisitz zulässig. Sie darf nach ihrer Beschaffenheit, insbesondere nach ihrer Ausstattung und Einrichtung, nicht zum dauernden Wohnen geeignet sein.«

Die Laube wurde im Selbstbau auf den bestehenden Fundamenten der vorherigen Gartenlaube aufgeständert und birgt im Inneren einen Raum mit Arbeitsplatz für die Imkerei. Zwei begehbare Schränke bieten Lagerfläche und darauf eine kleine Schlafempore. Das »Kleinod« kann auf der Eingangsseite komplett geöffnet werden, um den Laubenraum in den Schrebergarten hinein zu erweitern. Der erhöhte Boden der Laube wird dann zur Sitzfläche für die vor dem Eingang liegende Terrasse, die mit einer Außenküche, einem Erdkühlschrank und einer Außendusche ausgestattet ist.

Die Konstruktion, die wir für das kleinen Gartenhäuschen entworfen haben, ist speziell: Zuerst wurde aus preiswerten, handelsüblichen Kanthölzern in den Querschnitten 6 x 10 cm und 4 x 6 cm die Grundkonstruktion erstellt und mit sägerauen, unbehandelten Schalbrettern beplankt. Anschließend wurde der Holzhütte ein ,Kleid‘ aus Textilbeton – ein Material das üblicherweise in der Landschaftsarchitektur oder im Straßenbau eingesetzt wird – übergestreift. Dieses 5 mm dicke, flexible, mit Zement imprägnierte Material härtet durch Hinzufügen von Wasser zu einer robusten, wasserdichten und feuerfesten Betonoberfläche aus. Die darunter liegende Holzkonstruktion wird dadurch ausgesteift und gegen Wind und Wetter geschützt. Zwei identische, große Glasscheiben aus der Fehlproduktion eines Fensterbauers geben den Blick auf den herrlichen Garten frei.

Für einen Hersteller von Solarpaneelen entwickelten wir einen Messestand für die Intersolar 2011 in München, um seine beiden Produkte optimal auf der weltweit größten Fachmesse der Solarwirtschaft zu präsentieren. Die Herausforderung bestand darin, auf 104 Quadratmetern zwei qualitativ hochwertige Solarpaneele – ein mono- und ein polykristallines Solarmodul – zu präsentieren, die sich jedoch optisch kaum von den vielen anderen auf dem Markt erhältlichen Solarpaneelen unterscheiden.

Das Statement unseres Kunden ›Wir wollen die Zukunft mitgestalten, und helfen Energieprobleme zu lösen‹ wollten wir durch die Standgestaltung selbst kommunizieren, statt durch Plakate und Slogans. Als Konzept schlugen wir ein begehbares Scheinbild einer Solarstadt vor, einen Erlebnisraum mit einer außergewöhnlichen, bodenlosen Perspektive, der die Vision des Kunden anschaulich macht.

Willkommen in Luxcity! Auf der 13 x 8 m großen Standfläche findet sich der Messebesucher über den Dächern der Solarstadt Luxcity wieder. Scheinbar schwebend – gleich Lindgrens Karlsson vom Dach – kann der Besucher einen staunenden Blick in die Tiefe auf eine stilisierte Stadtszenerie werfen und blickt auf zahlreiche Dächer, dazwischen kleine Gassen mit Straßenlaternen. Luxor Solar zeigt hier seine Vision der Entwick-lungsmöglichkeiten städtischer Dachlandschaften: Alle Dachflächen sind mit Solarmodulen ausgestattet. Die Aussicht über die Solarstadt Luxcity wird durch die goldfarbene Spiegelfläche des Fußbodens ermöglicht, die das Volumen des Messestands optisch verdoppelt. Oberhalb der spiegelnden Bodenfläche steht alles Kopf. Die kleinen Häuser ragen von der Decke herab und recken den Besuchern ihre mit Solarmodulen bestückten Dächer entgegen. Manche Dächer reichen soweit herunter, dass die Dachunterseiten als Tische für Gespräche mit interessierten Messebesuchern genutzt werden können.

Die Fassade des zweigeschossigen Standgebäudes, das Lager, Küche und Infotheke sowie drei Besprechungsräume beherbergt, macht ebenfalls einen Kopfstand: Der Giebel wird zu einer Sitznische, der Dachüberstand zur Infotheke und im Zusammenspiel mit der Treppe erinnert die gesamte Szenerie an die Bilder des Künstlers M.C. Escher. Komplettiert wird das Bild durch Fassadentexte in einer unbekannten Sprache, die sich erst in der Spiegelung entschlüsseln. „!ni petS“ lädt die Besucher ein näher zu treten, um die Welt von „Roxul – elpoep enihsnus eht“ zu entdecken.

Messestand

Der städtische Friedhof übernimmt im östlichen Stadtteil von Düren die Funktion einer öffentlichen Grünanlage, in deren parkähnlichen Landschaft man sich bestatten lassen kann. Bisher konnte den Besuchern des Friedhofs und den Trauergesellschaften kein Aufenthaltsort angeboten werden. Der neue, eingeschossige Friedhofspavillon ist als ein Tagescafé konzipiert, dass gleichzeitig auch für Trauerfeiern in verschiedenen Größenordnungen genutzt werden kann. Eingebettet in den schönen Friedhofspark können Menschen hier gemeinsam trauern, Erinnerungen austauschen, einander begegnen.

Auf die Kombination einer kommerziellen Nutzung mit dem Thema Trauer und Tod wollten wir eine architektonisch angemessene Antwort finden. Wir entwarfen eine Architektur, die Massivität, Geborgenheit und Intimität archaischer Bauten mit der Transparenz und Offenheit von Pavillonbauten der klassischen Moderne verschränkt. Die Architektur des Café Pavillons aus Massivholz entwickelt sich auf einer quadratischen Grundfläche von 149 qm. Drei eingestellte Volumina für Toilette und Küche gliedern den Grundriss in drei flexibel schaltbare Aufenthaltsräume, die jeweils durch eine archetypische Deckenform – Tonnengewölbe, Pult- oder Zeltdach – geprägt sind. Die durchgängige, vielfältige Deckenlandschaft verbindet die prägnanten Gasträume mit jeweils unterschiedlicher Atmosphäre und Intimität, zu einem fließenden Gesamtraum, der die Balance zwischen Geborgenheit und Öffnung hält. Die großflächigen Verglasungen ermöglichen abwechslungsreiche Ausblicke und stellen differenzierte Bezüge zum umgebenden Park her. In den einzelnen Außenansichten des Gebäudes zeichnet sich das Profil der Deckformen umlaufend ab und verleiht der Architektur eine markante Gestalt, deren Innenleben sich in der Dämmerung und am Abend offenbart.

Seine Klarheit und Eindeutigkeit verdankt der Pavillon aus vorgefertigten Elementen auch der Verwendung einfacher Materialien. Kerto-Platten wurden für die Fassade eingesetzt, lasiertes Massivholz und ein geschliffener Betonboden mit Alpendolomit-Zuschlag dominieren mit ihren lebendigen Oberflächenstrukturen die Atmosphäre der Räume. Das Wechselspiel aus graubeigem Beton, silbrig lasierten Holzoberflächen und feinen, eloxierten Fensterprofilen ist von der Farbigkeit der imposanten Platanen inspiriert, die mit ihren silbrigen Stämmen maßgeblich den Friedhofspark prägen.

Eine fünfköpfige Familie war auf der Suche nach einem größeren Zuhause und fand in einer Aachener Arbeitersiedlung eine Doppelhaushälfte mit großem Garten aus den 1920er Jahren. Der einfache Mauerwerksbau war mit seinen etwa 70 Quadratmeter eigentlich zu klein, dennoch ermutigten wir die Bauherren zum Kauf und konnten mit einem äußerst knappen Budget die Sanierung und einen Anbau von 50 Quadratmetern realisieren.

Während der Entwurfsphase stellten wir uns die Frage: »Wie weiterbauen?« Trotz ihrer Alltäglichkeit nehmen wir die Grundstruktur des kleinen Arbeiterhäuschens ernst, bewahren sie weitgehend, reparieren und ergänzen sie behutsam. Das Dach des Altbaus wurde deutlich vergrößert und setzt in seiner markanten Form die Linien fort, die vom Anbau der benachbarten Doppelhaushälfte und vom Altbau vorgegeben wurden.

Die Klinkerfassade des Bestandsgebäudes verzahnt sich mit dem Anbau aus unverputztem Bims-Leichtbeton-Mauerstein, der sich auch farblich mit dem Bestand zu einem neuen, kompakten Baukörper verbindet.
Mit zeitgenössischen Mitteln führen wir die Einfachheit der vorhandenen Materialien fort und entwickeln das schlichte Gebäude zu einem großzügigen und offenen Wohnhaus weiter.

Im Erdgeschoss des Anbaus fließen Haupthaus und Garten ineinander. Der Hauptwohnraum hat den Charakter eines ‚Gartenzimmers‘, das zwischen Innen und Außen vermittelt: Die großflächige Verglasung des offene Betonskeletts gibt den Blick auf Garten und Umgebung frei. Die Fensterrahmen und die neue Türe aus Aluminium schreiben in ihrer Materialwahl die vorhandenen Fenster, die in den 60er Jahren erneuert wurden, fort. Die östliche Außenwand des Haupthauses aus rotem Klinkerstein dominiert nun als Innenwand atmosphärisch das ‚Gartenzimmers‘, dessen feiner, weiß gelaugter Dielenboden die Rauigkeit des Klinkers kontrastiert. Die geöffnete Diele verbindet als zentraler Raum Alt- und Neubau, Erd- und Obergeschoss großzügig miteinander. Im Eingang liegt der alte, rot-weiße Fliesenboden nun wie ein Teppich mitten im Haus und prägt zusammen mit der ochsenblutrote Treppe, die zu den privaten Wohnbereichen führt, das Ambiente. Die beengten Raumverhältnisse haben sich in Weite und Leichtigkeit als zeitgemäßes Wohngefühl gewandelt.

Die Architektur will weniger auf eine stromlinienförmige Verdichtung hinaus, sondern auf das Besondere, das Wahrnehmungsräume aufbricht, vertraute Blickmuster sprengt und den rauen, spröden Charme der ehemaligen Arbeitersiedlung fortführt. Die Erscheinung stellt sich sichtbar gegen den Mainstream des allzu Glatten und Perfekten.

Das 365 m² große Baugrundstück liegt an einem Südhang mit wundervollem Blick auf das Tübinger Schloss und über die Stadt. Für unsere Bauherren sollten wir darauf ein nachhaltiges, kostengünstiges Wohnhaus für die 6-köpfige Familie planen.

Im Allgemeinen stehen beim nachhaltigen Bauen vor allem die technologischen, bauphysikalischen und baupraktischen Aspekte im Vordergrund. Wir setzten bei der Planung, neben dem Einsatz energetisch effizienter Passivhaustechnologie, vor allem auch auf einen besonnenen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen und die Verwendung nachwachsender Baustoffe. Aufgrund der hervorragenden Energiebilanz und des günstigen Einfluss auf das Raumklima wählten wir Massivholz als Baumaterial für den Rohbau aus. Die vorgefertigten Elemente aus Kreuzlagenholz wurden im Innenraum als ›veredelter Rohbau‹ ausgeführt. Die Holzoberflächen blieben sichtbar und wurden lediglich angeschliffen, gelaugt und geseift, um den hellen Charakter des Holzes zu erhalten.

Im Entwurfsprozess setzten wir uns mit der Frage auseinander, was Nachhaltigkeit und Suffizienz in Bezug auf den Wohnraum und seine Architektur bedeuten kann. Was ist letztlich ein ›guter‹ Wohnraum, was macht ihn aus und wieviel Raum braucht man wirklich?

Die Grundrisse des 138 Quadratmeter großen Hauses wurden unter den Gesichtspunkten Funktionalität, Flexibilität und effiziente Raumnutzung entworfen und erzielen bei minimiertem Materialeinsatz ein Maximum an räumlichen Qualitäten. Während die Schlaf- und Kinderzimmer mit 7,5 bis 9 Quadratmeter ziemlich klein gehalten sind, bietet das Haus flexibel nutzbare Räume im Dachgeschoss und einen gestaffelten Hauptlebensraum im Erdgeschoss, der durch den 12 Quadratmeter großen Balkon und den überdachten Vorplatz mit Außenküche erweitert wird und verschiedene Nutzungsszenarien ermöglicht.

Raumbreite Verglasungen und ideenreiche Überlagerungen von Raumbereichen und Funktionen bieten vielfältige Atmosphären und geben den Bewohnern – trotz minimierter Wohnfläche – ein Wohngefühl von Großzügigkeit. Im Sinne eines nachhaltigen Nutzungskonzepts kann das Haus ohne viel Aufwand in zwei Wohneinheiten von 81 und 57 Quadratmetern mit jeweils separaten Eingängen aufgeteilt und an eine veränderte Lebenssituation der Bauherren angepasst werden.

Die kompakte Form mit dem ausformulierten Dachkörper ist eine zeitgenössische Interpretation der umliegenden grauen Tuffstein-Gebäude aus den 1920er Jahren. Der eigenwillige Schwenk der walmdachartigen, mehrfach geknickten Dachform resultiert zum einen aus dem angestrebten maximal möglichen Raumvolumen, das innerhalb der Abstandsflächen und gesetzlichen Regelungen der Landesbauordnung möglich war. Zum anderen aus dem Wunsch der Nachbarin – die das Grundstück nur unter dieser Voraussetzung verkauft hatte – den Blick auf das Tübinger Schloss freizuhalten.